Umgang mit asbesthaltigen Abstandhaltern und Mauerstärken aus Stahlbeton
GVSS-Expertenempfehlung stellt Grundlage für standardisierte Verfahren auf
Der Rückbau von Stahlbetonbauwerken wie Brücken, Kraftwerken, Industrieanlagen oder Tiefgaragen führt in Deutschland jährlich zu einem Betonabfallaufkommen im Umfang von mehreren Mio. Tonnen. Dieses Material bietet grundsätzlich eine hochwertige Ausgangsbasis für die Herstellung von Recyclinggesteinskörnungen, gerät jedoch zunehmend in Konflikt mit Schadstoffbelastungen – insbesondere durch Asbest.
Ein wesentliches Problem stellen asbesthaltige Abstandhalter und Mauerstärken dar, die zwischen den 1960er-Jahren und dem Asbestverwendungsverbot am 31.10.1993 großflächig im Stahlbetonbau eingesetzt wurden. Weitere potenzielle Asbestvorkommen ergeben sich aus Spezialmörteln, Fugendichtstoffen sowie Beschichtungs- und Abdichtungssystemen. Diese erschweren die Wiederverwendung des Betons erheblich und stellen sowohl für den Ressourcenschutz als auch für die Entsorgungs- und Recyclingpraxis eine große Herausforderung dar.
In Reaktion auf diese Problemlage wurde nun durch eine Expertengruppe im Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. eine umfassende Empfehlung ausgearbeitet, die konkrete Leitlinien für eine rechtskonforme und technisch fundierte Vorgehensweise im Umgang mit asbestbelastetem Betonabbruchmaterial bietet. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl die Anwendung und Auslegung der REACH-Verordnung als auch die Umsetzung der LAGA-Mitteilung 23, die im Mai 2023 aktualisiert wurde.
Bislang wurde häufig versucht, geringfügig asbesthaltiges Betonabbruchmaterial mit behördlicher Genehmigung im Erdbau oder im Schottertragschichtaufbau der jeweiligen Bauprojekte weiter zu verwenden. Diese Praxis ist kritisch zu hinterfragen, da sie keine langfristige Lösung darstellt und der Zielsetzung der vollständigen Ausschleusung technischer Asbestprodukte aus dem Wirtschaftskreislauf widerspricht.
Die Experten betonen die Notwendigkeit, praxistaugliche Verfahren zur separaten Erfassung, Bewertung und Abtrennung asbesthaltiger Bestandteile zu entwickeln. Derzeit fehlen marktreife Technologien für die gezielte Entfernung von asbesthaltigen Abstandhaltern im Rahmen der Sanierung und Aufbereitung. Erste Pilotprojekte und großtechnische Erprobungen laufen jedoch bereits an und zeigen Potenziale auf.
Ein zentraler Bestandteil der Empfehlung ist die Entwicklung valider technischer Standards, um die Erkundung, Bewertung und Separierung asbesthaltiger Komponenten reproduzierbar und rechtssicher durchführen zu können. Dies betrifft insbesondere die Methodik der Schadstofferkundung, die Beurteilung der Trenneffizienz und die Dokumentation von Restbelastungen im Recyclingmaterial.
Die Empfehlung bietet damit eine erste fachlich fundierte Grundlage, die im weiteren Prozess mit den Akteuren der Bestandsbausanierung, den Genehmigungsbehörden und der Recyclingwirtschaft unter der Zielsetzung, das Recycling von Betonabbruchmaterial auch unter Berücksichtigung bestehender Schadstoffrisiken zukunftsfähig zu gestalten, zu beraten ist.
Asbest visuell
Bestimmungsblätter zur visuellen Bestimmung von Asbest in Abbruchmaterialien
Zur Erkundung von Asbestverdachtsmaterialien im Haufwerk und der visuellen Ansprache gemäß VDI 3876 gibt die LAGA M23 nur sehr oberflächliche Verfahrensanweisungen. Aber insbesondere bei gemischten Bau- und Abbruchabfällen sind asbesthaltige Abfallfraktionen visuell nur sehr schwer zu erkennen. Es bedarf somit einer Konkretisierung der Probenahme bezüglich der Verdachtsmaterialien. Hierzu wird aktuell eine „VDI 6202 Blatt 10 – Schadstoffbelastete bauliche und technische Anlagen: Asbest im Bauschutt, in Recyclingmaterial und in Altablagerungen“ erarbeitet, welche im Gründruck (Entwurf) noch im Jahr 2024 veröffentlicht werden soll.
Die LAGA M23 sieht vor, bei unzertifiziertem Bau- und Abbruchabfall, zunächst auf offensichtlichen Asbestverdacht zu prüfen. Von Seiten der Experten des Gesamtverband Schadstoffsanierung e.V. und im Rahmen des Forschungsprojektes RecBest mit dem Förderkennzeichen 033R268A wurden daher Bestimmungsblätter für Asbest-Verdachtsmaterialien im Bauschutt erstellt. Diese sollen vor Ort helfen, entsprechende Verdachtsmaterialien zu identifizieren. Diese Aufgabe ist vor allem deshalb sehr anspruchsvoll, da im Gegensatz zu einer Erkundung im Gebäude die Bruchstücke im Haufwerk ohne Informationen zur ursprünglichen Einbausituation beurteilt werden müssen.
Die Bestimmungsblätter finden Sie hier


